Kutxak

Kutxak, handgeschnitzte Holztruhen, sind ein Beispiel traditioneller künstlerischen Handwerks des Baskenlandes. Die Truhen, die früher dazu genutzt wurden, die Ernte oder wärmende Decken für den Winter sicher aufzubewahren und damit zu den unersetzlichen Stücken eines jeden Haushaltes zählten, ziehen bis heute die Blicke der Betrachtenden auf sich. In einer kleinen Stadt in den grünen Bergen des Baskenlandes können wir Jose Pablo Arriaga ́s Werkstatt finden, die er in dritter Generation – Vater und Großvater waren ebenfalls begabte und begnadete Kunsthandwerker - übernommen hat. Was wie der Beginn einer romantischen Geschichte klingen mag, trägt in sich das tragische Schicksal des traditionellen Kunsthandwerks – ein Schicksal, das Jose Pablo Arriaga selbst hautnah miterleben musste. Während Jose Pablo seinen Ausdruck bereits in anderen Formen der Kunst suchte, folgte sein Bruder der Familientradition im Kunstschnitzen. Der Verlust von Wertschätzung gegenüber wahrer Handwerkskunst machte es ihm jedoch unmöglich das Unternehmen aufrecht zu erhalten. Mit drastischen künstlerischen Darbietungen, wie dem Hängen der erdrosselten geschnitzten Truhen, versuchten die Brüder das Bewusstsein der Öffentlichkeit in diesem Bereich zu wecken und das Familienunternehmen zu erhalten. Während letztendlich Jose Pablo mit seiner sehr charakteristischen und künstlerischen Arbeit eine Nische gefunden hatte, musste sein Bruder sein Kunsthandwerk aufgeben und arbeitet nun, fast schon schmerzhaft symbolisch, auf der Müllhalde. Die Truhen, die Teil der heutigen Kollektion formen, sind keine einfach traditionellen Kutxaks, sondern sind stark geprägt vom charakteristischen Stil des Künstlers: von seinem ästhetischen Minimalismus, von Dynamik und Einfachheit. Das Holz der Truhen wird nicht berührt von anderen Materialien. Statt des Beschlagens mit Eisen ist es bei Arriaga ́s Kutxaks das Holz selbst, das sich sehnend nach außen, der betrachtenden Person entgegen streckt und auffordert die Kutxaks zu öffnen. Ein lebhaftes Charakteristisches Element, das zur Interaktion einlädt. - Was sich wohl hinter der Öffnung verbirgt? Stark verbunden mit seinen Wurzeln und gleichzeitig offen für Innovation und neue Ideen, betrachtet der Künstler die handgeschnitzten Truhen als Ursprung und Ausgangspunkt all seiner Werke. Aus Wertschätzung der Handwerkskunst seines Bruders, ist die Anzahl der Werke dieser Kollektion auf die von dessen Händen geschnitzten Truhen limitiert. Die tragische Realität aufdeckend und dennoch nicht in den Zustand paralysierten Stillstandes zu verfallen, folgen die Truhen der Kollektion ganz der charakteristischen Linie einschneidender Ehrlichkeit des Künstlers. In diesem Sinne können die Truhen betrachtet werden als lebhafter Beweis für die Möglichkeit und die Schönheit der Verbindung von Tradition und Innovation. So sind die Truhen nicht nur eine Verbindung von Kunst und Möbelstück, von Zartheit und Rustikalität, sondern darüber hinaus von Ästhetik und Sozialkritik.